Zwischen Cover-Gigs und eigener Kante: Warum Auftrittsmöglichkeiten für kleine Bands so hart erkämpft sind

Ein Gespräch unter Freunden über Chancen, Kompromisse und das Dranbleiben – mit Torpedo Sirnau.

Neulich habe ich mit einem guten Freund telefoniert, irgendwo zwischen Feierabend und „Lass uns noch kurz über Musik reden“. Aus „kurz“ wurde natürlich länger. Wir haben über Auftritte gesprochen – darüber, wie schwer es für kleine Bands ist, überhaupt auf Bühnen zu kommen, und warum das Thema Cover-Sets dabei immer wieder auf dem Tisch landet. Nicht als Ideologie-Frage, sondern als ganz praktische: Wie spielt man live, wenn einem Reichweite, Budget und Kontakte fehlen?

Cover spielen – Ausverkauf oder Einstieg?

Mein Freund brachte es auf den Punkt: „Cover zieht halt. Du gibst dem Publikum etwas, das es sofort kennt.“ Und ja – das stimmt. Veranstalter wollen planbare Abende. Kneipen wollen Umsatz. Stadtfeste wollen Mitsing-Momente. In so einem Umfeld ist ein bekanntes Repertoire oft ein Türöffner.

Danach sind wir schnell bei dem Punkt gelandet, an dem es für viele kleine Bands kompliziert wird: Du willst deine eigenen Songs spielen, deinen Sound entwickeln, deine Geschichte erzählen – und gleichzeitig weißt du, welche Erwartungen manche Abende mitbringen. Bei Torpedo Sirnau haben wir genau einmal gecovert: „Ti Amo“ von Howard Carpendale. Live hat das sehr gut funktioniert. Und gerade deshalb war das Telefonat so interessant: Ein erfolgreiches Cover kann eine Tür öffnen, erzeugt aber manchmal auch leise die Frage, ob man „mehr davon“ liefern sollte.

Für uns war die Antwort nach dem Gespräch ziemlich klar. So gut sich dieser Moment auch angefühlt hat: Wir werden vermutlich nicht anfangen, regelmäßig zu covern. Wir wollen uns auf uns konzentrieren – auf eigene Songs, unseren Sound, unsere Energie. Nicht aus Prinzip, sondern weil wir genau daran wachsen. Wenn wir live überzeugen, dann am liebsten mit dem, was wir selbst schreiben.

Wo entstehen heute überhaupt noch Auftrittsmöglichkeiten?

Wir haben im Gespräch eine kleine Liste aufgemacht – nicht als „so muss es laufen“, sondern als Realitäts-Check. Denn oft wirkt es nach außen, als gäbe es überall Bühnen. In der Praxis sind es aber wenige Formate, die regelmäßig Slots für Bands ohne großes Booking-Netzwerk bieten: kleine Clubs, Kneipen mit Livemusik, Support-Slots bei größeren Acts, lokale Festivals, Vereins- und Stadtteilfeste, private Events – und manchmal auch diese spontanen „Hey, könnt ihr in drei Wochen einspringen?“-Anfragen.

  • Support-Shows: Häufig der beste Deal: Du musst nicht allein den Laden füllen, lernst aber Publikum und Technik kennen.
  • Doppelgigs mit befreundeten Bands: Zwei Fanbases, ein Abend – und weniger Druck auf jede einzelne Band.
  • Open Stages / Bandnights: Nicht glamourös, aber ein Ort, um sichtbar zu werden und Kontakte zu knüpfen.
  • Stadtteil- und Vereinsfeste: Oft dankbar, aber mit klaren Erwartungen an „zugängliche“ Musik.
  • Selbst veranstalten: Risiko und Arbeit – dafür volle Kontrolle über Line-up, Ablauf und Kommunikation.

Die Herausforderungen kleiner Bands (über die selten jemand spricht)

Was in dem Gespräch deutlich wurde: Das Problem ist selten nur „zu wenig Talent“ oder „zu wenig gute Songs“. Es ist das Gesamtpaket aus Ressourcen. Kleine Bands jonglieren Proben, Jobs, Familie, Technik, Social Media, Booking, Promo – und dann soll nebenbei noch eine professionelle Live-Show stehen. Wenn du keine Agentur hast, bist du plötzlich alles gleichzeitig: Musiker, Veranstalter, Werbeabteilung und Fahrer.

  • Booking-Frust: Viele Anfragen, wenige Antworten – und Absagen ohne Feedback.
  • „Bring your crowd“: Erwartung, dass eine Band den Raum füllt, obwohl sie gerade erst Reichweite aufbaut.
  • Kosten: Proberaum, Saiten, Sticks, Sprit, Backline, ggf. Miete für Technik – Gage deckt das oft nicht.
  • Wettbewerb um Aufmerksamkeit: Jede Stadt hat Dutzende Bands, aber nur wenige regelmäßige Slots.
  • Soundcheck-Realität: Kurze Umbauzeiten, wechselnde Technik, manchmal wenig Erfahrung auf Veranstalterseite.

Was ich aus dem Gespräch mitgenommen habe

Am Ende waren wir uns einig: Cover kann ein Werkzeug sein – aber es ist nicht die einzige (und für uns vermutlich nicht die nächste) Antwort. Entscheidend ist, dass man Gelegenheiten schafft, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Für mich heißt das: lieber wenige, gut passende Auftritte, bei denen wir musikalisch reinpassen, als jeder Slot um jeden Preis. Und vor allem: den Fokus auf das legen, wofür wir wirklich stehen – unsere eigenen Songs.

  1. Set dramaturgisch denken: Ein Set braucht Bögen, Tempo und klare Highlights – egal ob Club oder Festival-Slot. Für uns heißt das vor allem: eigene Songs so anordnen, dass sie live maximal zünden.
  2. Material bereit haben: Kurze Bio, gute Live-Clips, technische Infos – damit Booking-Anfragen nicht nach Bastelprojekt aussehen.
  3. Beziehungen pflegen: Veranstalter und andere Bands sind keine „Kontakte“, sondern Menschen. Nach dem Gig kurz reden wirkt oft mehr als zehn Mails.
  4. Kooperation statt Konkurrenz: Gemeinsame Abende planen, gegenseitig pushen, Slots teilen.
  5. Realistisch kalkulieren: Lieber früh über Kosten, Zeiten und Erwartungen sprechen – bevor es backstage knirscht.

Und jetzt?

Wenn du selbst in einer kleinen Band spielst, kennst du diese Mischung aus Euphorie und Organisations-Wahnsinn wahrscheinlich nur zu gut. Und wenn du Veranstaltungen machst oder eine Bühne betreibst: Vielleicht hilft dieser Blick hinter die Kulissen, zu verstehen, warum manche Bands länger brauchen, um „funktionieren“ zu können. Es ist nicht Bequemlichkeit – es ist oft schlicht Kapazität.

Wir sind Torpedo Sirnau – und wir freuen uns über jede Möglichkeit, live zu spielen: als Support, im Club, auf dem Festival oder bei einer gut kuratierten Bandnight. Wenn du einen passenden Rahmen siehst oder einen Abend gemeinsam aufziehen willst, melde dich gern.

PS: In einem der nächsten Beiträge schreibe ich darüber, wie wir unser Live-Set aufbauen – was mit eigenen Songs funktioniert, was nicht, und warum weniger manchmal mehr ist.

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Hallo , wir freuen uns wie bekloppt am am 5..6 zusammen mit @alexis.dalas im @altes_fuhrmannshaus_plochingen spielen zu dürfen! Das wird gut!

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Hallo, wir suchen eine Opening Band für unseren Auftritt am 5.Juni im @altes_fuhrmannshaus_plochingen in Plochingen. Ihr solltet ein Programm von 60-90 min haben, macht eigene Musik (kein Cover) in der Richtung Rock, Indie, Blues, Punk und kommt idealer weise aus der Gegend. Dann meldet euch über PN oder Email bei mir.

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Gedanken zu den Gigs im @altes_fuhrmannshaus_plochingen und Old Hamburg

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Ganz, ganz bald im Old Hamburg! Kommt einfach vorbei ! Das wird super

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Hallo Freunde, am 21ten Mai auf allen Streamingplattformen "Barry White" und am 23ten Mai live im old_hamburg mit einem neuen Bluesrockkracher

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Die Band euer Herzen zum ersten mal im Old Hamburg in @stadtrottenburg

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