Es ist Samstag. Das Thermometer kratzt an der perfekten Sommer-Marke, die Sonne brennt, und heute Abend läuft auch noch das DFB-Pokalfinale. Eigentlich die perfekte Kulisse für das Leben. Eigentlich.
Für uns Musiker und Kulturschaffende ist diese Kombination allerdings der absolute Endgegner. Ein veritabler Kultur-Killer.
Unser heutiges Konzert musste kurzfristig absagt werden. Und während man so im emotionalen Trümmerfeld einer abgesagten Show sitzt, fängt das Hirn an zu rotieren. Man fragt sich: Verliert die Live-Kunst gerade still und heimlich ihren Stellenwert?
Der unfaire Kampf gegen Grillgut und Großbildleinwand
Es fühlt sich manchmal an wie ein Kampf gegen Windmühlen. Auf der einen Seite: Monatelange Arbeit im Proberaum, Schweiß, Herzblut, Texte, die an die Nieren gehen, und eine geschleppte Backline. Auf der einen Seite die Kunst – auf der anderen Seite ein Biergarten, ein Grill und 22 Männer, die einem Ball hinterherrennen.
Versteht uns nicht falsch: Wir lieben den Sommer und wir schauen auch mal ein Spiel. Aber es tut weh zu sehen, wie schnell Live-Musik und Kleinkunst hintenüberkippen, sobald das Wetter „zu gut“ oder die Sportunterhaltung „zu groß“ ist. Die Hemmschwelle, sich von der Couch oder der Gartenliege aufzuraffen, um eine lokale Band zu unterstützen, scheint von Jahr zu Jahr höher zu werden. Kultur wird oft nur noch mitgenommen, wenn es gerade absolut bequem ist. Wenn alles andere versagt.
Die logische Konsequenz: Der Kultur-Winterschlaf?
Da stellt sich unweigerlich die Frage: Sollten wir den Sommer als Band einfach komplett abschreiben?
Sollten wir Konzerte nur noch zwischen November und März buchen, idealerweise in den spielfreien Wochen der Bundesliga, weit weg von Europa- und Weltmeisterschaften, Olympia oder dem Pokalfinale? Verwandelt sich die Musikszene gezwungenermaßen in ein reines Wintergeschäft, weil Kunst im Sommer gegen die Event-Konkurrenz eh keine Schnitte mehr hat?
Das wäre ein trauriges Szenario. Kultur lebt von Spontaneität, von der Hitze des Augenblicks – und verdammt noch mal, Rock ’n‘ Roll gehört in den Sommer, verschwitzt und laut! Kunst sollte kein Lückenbüßer für schlechtes Wetter sein. Sie ist das Fundament, das uns abseits des Massenkonsums echte, handgemachte Emotionen liefert.
Wir lassen uns nicht unterkriegen
Das Sterben der Kunst wird oft herbeigeredet, und Tage wie heute fühlen sich wie ein Schritt in diese Richtung an. Aber wir weigern uns, den Kopf in den Sand zu stecken oder unsere Gitarren bis zum ersten Schneefall einzumotten.
Wir holen tief Luft, schlucken den Ärger über das abgesagte Ding von heute runter und blicken nach vorne. Weil wir an das glauben, was wir tun. Und weil wir wissen, dass es da draußen noch die Leute gibt, die den Unterschied zwischen einem seelenlosen TV-Bildschirm und der Energie einer Live-Gitarre zu schätzen wissen.
Der nächste Versuch startet im Frühsommer – trotz allem. Am 5. Juni stehen wir im Alten Fuhrmannshaus in Plochingen auf der Bühne. Ob die Sonne scheint oder es Bindfäden regnet: Wir werden da sein. Und wir hoffen, ihr seid es auch. Weil Kunst euch braucht. Und wir euch.
Eure Torpedos
💬 Jetzt seid ihr dran: Wie seht ihr das?
Hand aufs Herz: Zieht der Biergarten oder das Sofa bei Großereignissen im Sommer einfach immer vor, oder blutet euch bei solchen Absagen auch das Kultur-Herz? Habt ihr im Sommer überhaupt noch Bock auf Clubkonzerte, oder sollten Bands ihre Energie wirklich lieber für die kalten Monate aufsparen?
Schreibt uns eure ehrliche Meinung in die Kommentare – wir wollen wissen, wie ihr darüber denkt!
