Es muss vor etwa zehn oder fünfzehn Jahren gewesen sein. Ich saß im Büro, als mir zum ersten Mal eine Führungskraft über den Weg lief, die weder Krawatte trug noch frisch rasiert war. Der Grund? Es war Freitag. Casual Friday. Damals ein echter Kulturkampf in den Fluren, heute fast schon eine Erinnerung aus einer anderen Welt.
Wenn man sich heute im Arbeitsalltag umblickt, wirkt die damalige Aufregung fast drollig. In Zeiten von Dauer-Homeoffice und Videocalls ist man an manchen Tagen ja schon froh, wenn die Kollegen nicht direkt im Pyjama vor der Kamera sitzen. Das Aufbrezeln für die Arbeit – das Bügeln des Hemdes, das Polieren der Schuhe – ist für viele zu einem Relikt aus vergangenen Tagen geworden.
Mir ging das lange Zeit anders. Nicht nur im Beruf, sondern vor allem in der Musik.
Musik, Haltung und der feine Zwirn
Denn wenn man mal in der Musikgeschichte zurückblickt, war das Bühnenoutfit nie nur Beiwerk, sondern immer ein Statement. Im Jazz und Blues war der maßgeschneiderte Anzug schlicht Pflicht – ein Zeichen von Würde, Selbstbewusstsein und Respekt gegenüber der Kunst und dem Publikum. Als die Beatles Anfang der 1960er Jahre von ihrem Manager Brian Epstein in akkurate, identische Anzüge gesteckt wurden, war das der visuelle Startschuss für den globalen Siegeszug der Pilzköpfe. Der Look machte sie unverwechselbar.
Dass visuelle Inszenierung im Rock ’n’ Roll den Unterschied machen kann, zeigt die Geschichte immer wieder: Von der theatricalen Schminke bei KISS, über die martialischen Monster-Kostüme von GWAR, bis hin zur geheimnisvollen Maskierung von Sleep Token in der heutigen Zeit – das Outfit verwandelt Musiker auf der Bühne in etwas Größeres. Es erschafft eine eigene Welt.
Zwischen Anzug, Krawatte und persönlichem Style
Für mich war die Bühne immer ein Ort, den man mit Respekt betritt. Bis vor kurzem bin ich bei unseren Gigs fast ausnahmslos in Anzug und Krawatte aufgetreten. Es war mein persönliches Statement: Wer auf die Bühne geht, um den Leuten seine Songs um die Ohren zu hauen, der darf auch optisch Haltung zeigen.
Doch bei den letzten Gigs habe ich mich selbst dabei erwischt, wie der Casual Friday schleichend die Oberhand gewann. Jeans, T-Shirt, etwas legerer, etwas entspannter.
Kürzlich haben Herr Lehmann und ich uns genau darüber festgequatscht. Wir haben alte Konzertfotos durchgeblättert und diskutiert: Hat diese gewisse Eleganz dem Sound nicht erst den richtigen Rahmen gegeben? Oder nimmt sie einem die individuelle Note?
Ich persönlich mag es extrem, wenn ein Outfit individuell ist – keine verordnete Uniformity, sondern ein Look, der Charakter zeigt, ohne beliebig zu wirken. Kein Schlabberlook, aber eben auch keine Verkleidung.
Wir überlegen nun ernsthaft, ob wir dem lässigen Schluder-Trend wieder etwas entgegensetzen und künftig wieder mehr Wert auf ein markantes Äußeres auf der Bühne legen sollten.
Ob wir am Samstag, den 26. September, in der Café Bistro Werkstatt in Seebronn wieder im feinen Zwirn auflaufen oder doch im Unplugged-Casual-Look auf der Bühne sitzen?
Macht euch am besten selbst ein Bild.
Was meint ihr: Anzug, Maske oder Jeans?
Wie wichtig ist euch das Outfit einer Band live? Gehört der feine Zwirn oder ein durchdachtes Konzept zum ehrlichen Rock ’n‘ Roll, oder zählt für euch auf der Bühne ausschließlich der Sound?
Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren oder auf Social Media!
Tragt euch den 26. September dick im Kalender ein, schnappt euch eure Freunde und kommt nach Seebronn. Wir freuen uns auf euch!
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Ricky
